Unternehmerisches Indienwissen aus erster Hand
Beim German-Indian Round Table oder GIRT tauschen sich seit über zehn Jahren deutsche und indische Unternehmer über Geschäftsmöglichkeiten in den beiden Ländern aus. Indem Indien in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre schrittweise als ein hoffnungsvoller Markt entdeckt worden ist, ist das Interesse an Informationen aus erster Hand über das südasiatische Land gewachsen. Der GIRT ist ein nicht gewinnorientiertes Netzwerk für mittelständische Unternehmer, die mehr über den indischen bzw. deutschen Markt wissen wollen. Teilnehmer wissen neben politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hintergrundinformation vor allem den Zugang zu den Erfahrungen anderer in Indien bzw. in Deutschland bereits tätiger Firmen zu schätzen. Genau diese Unmittelbarkeit macht seit 2001 den Reiz der German-Indian Round Tables aus.
Hier setzte der Norderstedter Unternehmer Rudolf Weiler an. Seine mittelständische Firma DIGISOUND produzierte damals in China und im indischen Pune elektronische Komponenten. Wirklich weiter brachten Weiler nur die Erfahrungen, die er am eigenen Leibe machte oder die Unternehmer in gleicher Situation durchlebt hatten. Er berichtet: "Viele Geschäftsleute hatten keine Zeit, Tagesseminare über Indien zu besuchen. Ein Stammtisch bot die Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen." So wurde das Hotel Baseler Hof in Hamburg Geburtsstätte und regelmäßiger Veranstaltungsort der Deutsch-Indischen Stammtische.
Die Idee wirkte unmittelbar ansteckend. Aachen, München und Stuttgart kamen hinzu, und die Leiter der Stammtische verstanden sich sogleich auch als ein überregionales Netzwerk. Weitere Stammtische entstanden in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Leipzig, Nürnberg, Hannover und Neu Delhi. Um den indischen Teilnehmern und der weiteren Internationalisierung zu folgen, wurde der ursprüngliche "Stammtisch" zum "Round Table" anglisiert. Jüngste GIRT Chapter sind Freiburg und Karlsruhe in Deutschland sowie Coimbatore und Pune in Indien. Weitere Neugründungen stehen in beiden Ländern an.
Da der GIRT ein reines Netzwerk ist und ohne Rechtsform oder gemeinsame Kasse lebt, sind Neugründungen verhältnismäßig umkompliziert. Geschäftsleute mit dem Wunsch nach einer GIRT-Neugründung in ihrer Region wenden sich an den Sprecher des Netzwerkes, seit 2010 Dr. Andreas Waldraff, Berlin, der zusammen mit den anderen regionalen Stammtischleitern Starthilfe leistet. Die konkrete Gestaltung wie beispielsweise Anzahl und Format der Treffen bleibt dem regionalen Leiter überlassen. Die dezentrale Struktur und die persönliche Prägung sind bewusstes Prinzip.
„Mittelstand goes to India“
Eine vielbeachtete Delegationsreise unter dem Titel „Mittelstand goes to India“ wurde 2005 federführend vom GIRT organisiert und machte die Organisation über die deutsch-indische Wirtschaftsszene hinaus bekannt. Heute erreicht der GIRT regelmäßig mehr als 3.000 Personen mit einer hohen Affinität zu deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen. Das Netzwerk hat sich einen festen Platz in den hierfür relevanten Wirtschaftskreisen erarbeitet. Die praktische Expertise der GIRT-Mitglieder macht den GIRT zum gerngesehenen Mitorganisator von Veranstaltungen zu deutsch-indischen Themen. Beispielsweise organisiert und sponsort der Leiter des GIRT Aachen , Dr. Satish Batra, jährlich eine große Indienveranstaltung. Alle zwei Jahre bringt sich der Hamburger GIRT unter der Leitung von Rajnish Tiwari in die India Week Hamburg ein. Im Oktober 2011 fanden dort fünf Wirtschaftsfachveranstaltungen mit GIRT-Beteiligung statt. Die Stuttgarter Indien-Woche, die alljährlich das Bollywood & Beyond Filmfestival in Stuttgart begleitet, wird vom Stuttgarter GIRT und seinem Leiter Andreas Lapp maßgeblich betreut und unterstützt.
An dieser pragmatischen Ausrichtung und der notorisch guten Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen wie den Botschaften, der Deutsch-Indischen Handelskammer, den lokalen Handelskammern in Deutschland und Indien, den Wirtschaftsförderungen der Länder oder den Universitäten hat sich seit der Gründung der German-Indian Round Tables nichts geändert. „Wir füllen eine Lücke aus“, erklärt GIRT-Gründer Weiler, „der GIRT ist eine unabhängige Einrichtung, die keine kommerziellen Vorteile für sich selbst beabsichtigt. Das Netzwerk ist sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Institutionen.“
Dr. Andreas Waldraff ist geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung UBF.B GmbH. Das Unternehmen ist vorwiegend für Kunden der Automobilindustrie, des Maschinenbaus und der Bauindustrie in Deutschland und Indien tätig. Seit 2010 ist Waldraff Sprecher des German-Indian Round Table.
Kontakt: andreas.waldraff(at)ubfb.de
Webseite des GIRT: www.girt.de oder www.girt.in
