Werksaufbau Indien

Am 24. Oktober 2018 trafen sich über 20 Unternehmensvertreter im Rahmen des „German Indian Round Table Oberfranken“ (GIRT) bei der Rohleder GmbH in Konradsreuth, um intensiv über die Chancen & Herausforderungen sowie die ‚richtige‘ Herangehensweise an den Werksaufbau in Indien zu diskutieren.

Der Gastgeber des Abends, Matthias Hanitzsch, Prokurist und kaufmännischer Leiter der Rohleder GmbH in Konradsreuth, war sehr erfreut, den GIRT Oberfranken in seinem Hause willkommen zu heißen, da sich Indien auch zunehmend für sein Unternehmen zu einem interessanten Markt entwickelt. Warum Textilien „Made in Oberfranken“ für Kunden aus Indien, einem der größten Textilproduzenten der Welt, von Interesse sein kann, zeigte und erläuterte er im Rahmen einer beeindruckenden Werksführung. Mit innovativen Designs, einem hohen Automatisierungsgrad und einer Premiumqualität in der Produktion sowie der genauen Kenntnis der eigenen Zielgruppe ist es nach wie vor sehr gut möglich, sich als Textilunternehmen im internationalen Wettbewerb von Deutschland aus zu behaupten.

Nach dieser Einstimmung übernahm Thomas Bammert und berichtete in einem spannenden Vortrag aus seiner mehr als sechsjährigen Tätigkeit als Projektleiter ‚Werksaufbau Indien‘, in der er das fünfte, weltweite Produktionswerk der Liebherr-Hausgeräte Ochsenhausen GmbH erfolgreich aufbaute. Tief beeindruckt waren die Mitglieder des GIRT Oberfranken von der systematischen Vorgehensweise des Unternehmens: Der Referent legte ausführlich dar, warum Indien als neuer Standort ausgewählt wurde und wie sich das Unternehmen auch aus produkttechnischer Sicht auf die Eigenheiten des indischen Marktes eingestellt hat. Da von Anfang an feststand, dass die Produkte in Indien für den indischen Markt entwickelt und produziert werden sollen, integrierte Liebherr-Hausgeräte von Beginn an indische Ingenieure in den Entwicklungs- und Aufbauprozess des Produktportfolios sowie des neuen Produktionswerks. Erst nach Abschluss dieser umfangreichen Vorarbeiten wurde ein geeigneter Standort gesucht und das Layout des neuen Produktionswerks festgelegt. Die Planungsphase des neuen Werks beanspruchte knapp ein Jahr – und man ließ sich bewusst Zeit, die Planungen erst abzuschließen, bevor ein Generalunternehmen mit der Durchführung der Bauarbeiten beauftragt wurde. Auch wenn anders als in Deutschland gebaut wurde und sich Liebherr-Hausgeräte bei einigen Aspekten kompromissbereit zeigt, so gab es bei den produktionstechnischen Qualitätsstandards keinerlei Abstriche. Auch gelang es dem Unternehmen, ohne dauerhafte deutsche Expatriates vor Ort sowohl den angestrebten Zeitplan als auch die Meilensteine einzuhalten. Im Mai 2018 war es dann soweit und Thomas Bammert eröffnete mit den Liebherr-Eigentümern und der Geschäftsführung das neue Werk. Inwiefern der Markteintritt gelingen und die indischen Konsumenten die angepassten Liebherr-Produkte annehmen werden, muss sich noch zeigen: Mit Diwali steht Anfang November 2018 der erste große Test vor der Tür!

Wie auch sonst ergab sich im Anschluss an den Vortrag eine sehr lebhafte Diskussion unter den Teilnehmern zu den zahlreichen Details des Werksaufbaus in Indien. Zum Ausklang der Veranstaltung lud die Rohleder GmbH den GIRT Oberfranken zu einem gemeinsamen Imbiss ein, der von den Teilnehmern intensiv für weiterführende Einzelgespräche genutzt wurde.

Auf dem Bild sehen Sie Prof. Dr. Stefan Wengler (li.), Co-Initiator des GIRT Oberfranken, Thomas Bammert (2. v. li.), ehemaliger Projektleiter ‚Werksaufbau Indien“ und heute Teamleiter Produktionsarchitektur und Produktionsstrategie der Liebherr-Hausgeräte Ochsenhausen GmbH, Matthias Hanitzsch (2. v. re.), Prokurist und kaufmännischer Leiter der Rohleder GmbH, sowie Prof. Dr. Torsten Kühlmann (re.), Co-Initiator des GIRT Oberfranken.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Wengler
girt@scienceventure.net

GIRT steht für den „German Indian Round Table“ und ist ein deutschlandweites Netzwerk von Managern für Manager, die im deutsch-indischen Geschäftsumfeld tätig sind. Seit November 2016 gibt es mit dem „GIRT Oberfranken“ nun auch in Oberfranken eine entsprechende Plattform, die den Erfahrungsaustausch zwischen Indien-Kennern und Indien-Neulingen fördern und so die Wirtschaftsbeziehungen zu Indien ausbauen soll.